Auch Kirche ist Hoffnungsträgerin
Am 26. April feierte Diakonie Direktorin Maria Katharina Moser mit uns einen lebendigen, musikalischen Gottesdienst in der Verklärungskirche Am Tabor. Danach blieb noch Zeit für ein Gespräch über Diakonie und Kirche und über das, was Hoffnung macht.
Als Diakonie Direktorin leitest du eine große Organisation mit mehr als 10.000 Mitarbeitenden und hunderten sozialen Einrichtungen. Als Pfarrerin findest du immer wieder Zeit, Gottesdienste in evangelischen Kirchen zu halten. Was ist das Gemeinsame an Diakonie und Kirche, wie funktioniert das Zusammenspiel?
Maria Katharina Moser
Pfarrgemeinden sind ein offener Ort, wo alle Menschen willkommen sind, ohne dafür etwas leisten zu müssen. Und das ganz unabhängig von ihrem sozialen Status. In Pfarrgemeinden, wie auch in der Diakonie, gelten alle Menschen als gleich wichtig, als gleich würdig. Das ist zutiefst diakonisch. Das ist etwas, das in unserer Gesellschaft zunehmend fehlt.
Der Gottesdienst, den wir soeben gefeiert haben, stand im Zeichen der Menschenrechte, die nur dann wirksam werden wenn sie ausnahmslos für alle gelten. Wo zeigt sich dieses Fehlen universaler Menschenrechte derzeit besonders? Wo wird Menschen ihre Würde aberkannt oder beschnitten?
Maria Katharina Moser
Sehr schmerzlich sehe ich dies derzeit im Flüchtlingsbereich. Mit dem Aussetzen des Familiennachzuges wird einer Gruppe von Menschen, nämlich Menschen auf der Flucht, das fundamentale Recht auf Familie aberkannt. Das ist ein Dammbruch, der die Schleusen öffnet zum Abbau von Menschenrechten.
Ein anderes Beispiel ist die schleichende Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen. Es werden wieder Sonderschulen gefördert statt Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam zu unterrichten. Projekte zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt werden zurück gefahren und auch für persönliche Assistenz gibt es immer noch hohe Hürden.
Die Probleme von Diakonie und Kirche sind vielfältig: Überall wird das Geld knapper, die Last der Arbeit verteilt sich auf immer weniger Schultern. Die Solidarität schwindet. Wie soll man da noch hoffnungsvoll in die Zukunft blicken?
Maria Katharina Moser
In der Diakonie sehen wir Menschen, die mit großen Schwierigkeiten leben müssen, die aber trotz allem nicht aufgeben. Sie schenken uns Hoffnung. Auch Pfarrgemeinden sind Hoffnungsträgerinnen. Sie sind ein Ort ohne Konkurrenz und stehen damit im Widerspruch zu einer leistungsorientierten Gesellschaft. Wenn die Ressourcen knapper werden, sollten wir daher nicht den Fehler machen, nur auf unsere eigenen Bedürfnisse zu schauen. Statt Konkurrenzdenken sollten wir nach Kooperation suchen, die Mehrwert schafft. Und ja, manchmal muss man auch etwas loslassen, damit Neues entstehen kann.
Wenn man genau hinschaut erkennt man, dass die Arbeit für Kirche und Diakonie sinnstiftend ist und etwas positives bewirkt. So wie jede gelingende Beziehung. Dafür lohnt es, sich einzusetzen!